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Standort St. Georgen

Eine Heimat für die Feuerwehr

Nicht immer war die Freiwillige Feuerwehr an ihrem jetzigen Standort am Salzburger Weg 1 untergebracht. Erst im Jubiläumsjahr 1990 konnte das Gebäude angemietet und eine lange heimatlose Zeit beendet werden. Die von der fürstlich-heitersheimschen Regierung Ende des 18. Jahrhunderts erbauten Spritzenhäuser in Uffhausen bei der Stube und in Wendlingen in der Malteserordensstraße wurden Ende der 1960er-Jahre aufgegeben. Diese Spritzenhäuser dienten lediglich der Aufbewahrung bzw. Lagerung der Einsatzmaterialien. Umkleidemöglichkeiten oder gar ein Mannschaftsraum waren nicht vorgesehen. Mit der Aufgabe der Spritzenhäuser verfügte die Abteilung St. Georgen über keine eigenen Löschgerätschaften mehr. Im Übungs- und Einsatzfall wurde ein Fahrzeug der Berufsfeuerwehr mit einem Maschinisten zur Verfügung gestellt. So fanden sich die St. Georgener Wehrmänner im Alarmfall am Sammelplatz bei der damaligen Post im Hartkirchweg ein und wurden zum Einsatz gebracht. Die Einsatzkleidung musste zuhause aufbewahrt werden. Dieses Schicksal teilten auch andere Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr in Freiburg.


Hierzu ein Bericht der Badischen Zeitung vom 12. Juli 2010 von Sylvia Faller ST. GEORGEN.
Im Lehrsaal der Hauptfeuerwache an der Eschholzstraße (Haslach) sind zwei Feuerspritzen von 1880 ausgestellt. Sie stammen aus St. Georgen und zählten einst zur Ausrüstung der Spritzenhäuser an der Blumen- und Malteserordensstraße. Beide Gebäude bestehen noch heute.

 

In der Blumenstraße sind das Gemeindesekretariat als Außenstelle des Amts für öffentliche Ordnung und Vereinsräume untergebracht, das einstige Spritzenhaus an der Malteserordensstraße (siehe historisches Bild) ist seit 1998 in Privatbesitz und dient als Wohnhaus.

Zwei Rundtore an der Nordseite des Gebäudes zeigen, wo die historische Spritze untergebracht war. Die Pumpe wurde mit Muskelkraft betrieben und von Pferden zu ihrem Einsatzort gezogen. 1880 bestand die St. Georgener Feuerwehr mit den beiden Abteilungen Uffhausen und St. Georgen/Wendlingen seit 15 Jahren. Mit 81 Mitgliedern war sie 1865 gegründet worden. Die Spritzenhäuser sind allerdings schon älter, sie wurden im ausgehenden 18. Jahrhundert errichtet, während der Amtszeit des Vogtes Johann Michel Gassenschmidt, von dem als früherem Lindenwirt und Großvater des Revolutionärs Franz Josef Gassenschmidt in dieser Reihe schon die Rede war. Der Vogt setzte eine Verordnung des Malteserordens um, der die Herrschaft über St. Georgen innehatte, wonach alle Gemeinden Spritzenhäuser bauen mussten. Das sollte die Institutionalisierung des Feuerlöschwesens voranbringen, die im Gebiet der Malteser im Jahr 1620 mit einer ersten Feuerlöschordnung einsetzte.

Das Spritzenhaus an der Malteserordensstraße wurde 1787 gebaut. Gassenschmidt hatte sich damit allerdings um sein Amt gebracht. Der Bau sei zu aufwendig und unverhältnismäßig groß ausgefallen, begründeten seine Kritiker vor dem Heitersheimer Großprior und erwirkten damit seine Absetzung. Auffällig ist die von zwei Seiten her zulaufende Treppe zur Eingangstür der Wohnung im Obergeschoss des Gebäudes. Sehr wahrscheinlich wollte die Gemeinde diese Räume ursprünglich für öffentliche Zwecke nutzen, worauf ein in die Wand eingebauter Aktenschrank hinweist. Konkrete Belege dafür gibt es jedoch nicht.


1811 wohnten Tag- und Nachtwächter im Gebäude

Sichere Informationen über die tatsächliche Nutzung dieser Räume hat der einstige Pfarrer Vinzenz Zahn hinterlassen. Seine Häuserbeschreibung von 1811 führt das Gebäude als „Gemeindehaus, Spritzenhaus“ auf und nennt den Tagwächter Josef Holz und den Nachtwächter Michel Meyer als Bewohner. Später wohnten nach Recherchen des Arbeitskreises (AK) Ortsgeschichte im Bürgerverein St. Georgen Bedürftige darin. Bei der Eingemeindung St. Georgens nach Freiburg 1938 ging das Gebäude in den Besitz der Stadt Freiburg über, die es 1998 verkaufte. Dabei wurde das Gartengelände separat an einen Investor vergeben, der darauf ein Mehrfamilienhaus errichtete. Eigentümer und Bewohner des Spritzenhauses sind Gitta und Philipp Fehrenbach, die sich im Arbeitskreis Ortsgeschichte engagieren. Die Feuerwehr nutzte das Spritzenhaus bis in die 1950er Jahre. Der 83-jährige Josef Eckert, der 1948 Mitglied wurde und von Beruf Landwirt war, erinnert sich noch gut daran. Als zweiter Maschinist war es seine Aufgabe, die damalige, schon mit einem Benzinmotor betriebene Tragkraftspritze TS 8 an seinen Traktor anzuhängen und zum Einsatzort zu ziehen. Der Schmied Franz Schneider hatte dafür eine Anhängerkupplung an der Spritze angebracht. Der hölzerne Schlauchturm an der Nordseite des Spritzenhauses wurde allerdings schon nicht mehr genutzt, weil die Schläuche in der Hauptfeuerwache gereinigt und getrocknet wurden. Nach 1948 wurden nur noch zwei Mal im Uffhauser Turm Schläuche aufgehängt, erinnert sich Josef Eckert. 

In der NS-Zeit war aus der Feuerwehr eine Feuerlöschpolizei geworden. 

Die einst eigenständige Feuerwehr St. Georgen war nach der Eingemeindung als Löschzug 6 Teil der Freiwilligen Feuerwehr Freiburg geworden. Einen ersten radikalen Strukturwandel gab es schon 1936, zwei Jahre vor der Eingemeindung, als die Feuerwehren im Verlauf der Gleichschaltung im Dritten Reich in die Polizei eingegliedert wurden. Ein 1926 begonnenes Protokollbuch endet denn auch mit einem Eintrag vom 21. September 1936, als die letzte Generalversammlung stattfand und die Umbenennung in eine „Feuerlöschpolizei“ vollzogen wurde. 

Als die Freiburger Feuerwehr nach dem Zweiten Weltkrieg 1947 neu aufgestellt wurde, war der Löschzug mit seinem Kommandanten Josef Dengler und dessen Stellvertreter August Vögele stadtweit der einzige mit voller Mannschaftsstärke. Das Spritzenhaus in der Malteserordensstraße war zuletzt noch der Ausgangspunkt von Übungen und Sammelpunkt bei Einsätzen, wobei die Feuerwehrleute von einem Fahrzeugführer aus der Hauptwache abgeholt wurden. „Die persönliche Ausrüstung, bestehend aus Helm, Hakengurt und Einsatzkleidung hatte jeder bei sich zu Hause“, erzählt Josef Eckert.

Eigene Fahrzeuge und Geräte hat die St. Georgener Abteilung erst wieder seit 1990, als sie ihr heutiges Gerätehaus im Vorarlberger Weg bezog. Dies ist eine frühere Betriebshalle, die der Schmied Franz Schneider in den 1960er Jahren für seine heute in Hochdorf angesiedelte Firma Franz Schneider GmbH Lkw-Service gebaut hatte. Heute befinden sich dort ein Löschfahrzeug und zwei Schlauchwagen. Ein 2009 zugelassener Schlauchwagen 1000 ist übrigens das erste Fahrzeug, das die Stadt Freiburg eigens für die Abteilung 6 angeschafft hat.

Unter dem „St. Georgener“ Stadtbrandmeister Rolf Kiefer wurde dann das dezentrale Konzept eingeführt. Die Freiwilligen Feuerwehren erhielten wieder eigene Gerätehäuser und Feuerwehrfahrzeuge. Ohne diese Entwicklung wäre die Freiwillige Feuerwehr in Freiburg wohl Geschichte. Doch was 1990 noch ein großer Fortschritt war, ist den heutigen Anforderungen nicht mehr gewachsen. Heutige Einsatzfahrzeuge, gestiegene Anforderungen in der Ausbildung und aktive Jugendarbeit beanspruchen mehr Raum. Doch die Stadt Freiburg hat die Zeichen der Zeit erkannt und so wurden in den letzten Jahren die Abteilungen Rieselfeld, Oberstadt, Stühlinger, Unterstadt, Wiehre, Herdern und Zähringen in neuen Gerätehäusern untergebracht.

Eine Lösung für St. Georgen ist in Sicht.

 

Im Gebiet „Innere Elben“ wird ein Grundstück für den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses vorgehalten. Zwar ist der erste Spatenstich noch nicht terminiert, doch die Hoffnung, dass zumindest in absehbarer Zeit der Planungsauftrag erteilt wird ist berechtigt. Die maßgeblichen Entscheidungsträger haben zwischenzeitlich erkannt, dass in St. Georgen in vielerlei Hinsicht ein gewisser Nachholbedarf besteht.

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