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Geschichte

Die Entstehung der Freiwilligen Feuerwehr Freiburg St. Georgen

Nicht immer war es so, dass die Bewohner St. Georgens so sorglos ihrer Beschäftigung nachgehen oder abends sich ruhig schlafen legen konnten, in der Gewissheit, dass bei plötzlichem Ausbruch eines Feuers eine Institution da ist, die dafür sorgt und wacht, um eine Katastrophe an ihrem Hab und Gut zu verhüten.

Besonders die Bauten mit Fachwerk und zum Teil ganz aus Holz boten immer wieder in der bereits 1200-jährigen Geschichte von St. Georgen bei einem Brand eine große Gefahr. So wird schon ein Brand im Weiler Boll aus dem Jahre 1272, aber auch der große Brand der drei Dörfer Uffhausen, Wendlingen und Hartkirch um das Jahr 1450 erwähnt. Damals gab es noch keinen Brandschutz, erst im Jahre 1620 hat der damalige Fürst und Großprior zu Heitersheim in den Ortsteilen Uffhausen und Wendlingen eine Löschmannschaft eingeteilt. Die Bürger bekamen Feuereimer; und Leitern und Feuerhaken wurden in den Ortsteilen untergebracht, die beiden Spritzenhäuser wurden aber erst Ende des 18. Jahrhunderts von der fürstlich-heitersheimischen Regierung erbaut.

 

Zur Gründung der St. Georgener Feuerwehr ein Bericht von Artur Eberle aus dem Jahr 1926:

Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr St. Georgen fällt in eine sturmbewegte, man möchte fast sagen, unglückliche Zeit. Dunkle Gewitterwolken standen am politischen Horizont. Es war am Vorabend des Krieges von 1866. Die Gemeinde St. Georgen selbst aber war durch den sogenannten Kirchenstreit, der sich an der Frage entzündet hatte, wo die dringend notwendig gewordene neue Pfarrkirche gebaut werden sollte, in zwei sich schroff gegenüberstehende Lager gespalten. Der Kampf wurde von den „Kirchenstreitern“ beider Parteien mit einer Leidenschaftlichkeit und Zähigkeit geführt, die einer besseren Sache würdig gewesen wäre. Vergessen war die jahrhundertelange Zusammengehörigkeit. Jede Partei versuchte die andere zu übertrumpfen. Während die eine, zahlenmäßig stärkere Partei ihren Anhang hauptsächlich in Uffhausen hatte, saßen die zahlenmäßig schwächeren, dafür aber einflussreicheren Gegner in der Hauptsache im Ortsteil St. Georgen. So kam es, dass der Kampf beider Parteien bald nur noch unter der Losung „Hie Uffhausen - hie St. Georgen“ ausgefochten wurde.

Am 2. September 1865 war der Gesangverein „Eintracht“ Uffhausen von 33 Uffhausener Bürgern gegründet worden. Dies wurde von den St. Georgenern als Herausforderung aufgefaßt und mit der Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr St. Georgen beantwortet. Obwohl der mit den St. Georgenern sympathisierende Gemeinderat vor versammelter Gemeinde öffentlich zum Beitritt in das neu zu gründende Feuerwehr-Corps aufgefordert hatte, hielten sich die Uffhausener grollend fern. Stattdessen beschlossen sie, auf Anregung des Gemeinderats Keller von Uffhausen, in der Sitzung am 13. November 1865, der „Eintracht“ ein besonderes Feuerwehr-Corps für Uffhausen anzugliedern. Der Verein legte dem Gemeinderat ein Gesuch um die Überlassung von Feuerlöschgeräten und um Unterstützung zur Neuanschaffung weiterer Gerätschaften vor. Dieses Gesuch wurde im Einvernehmen mit dem Bezirksamt Freiburg abschlägig beschieden. Zur Begründung hieß es, dass keine zwei Feuerwehr-Corps nebeneinander bestehen könnten, da ja selbst in den größten Hauptstädten Europas nur ein Feuerwehr-Corps existiert …

Am 27. November 1865 wurde dann nach Vorlage und Prüfung der Statuten durch Erlass des Großherzoglichen Ministeriums des Inneren die neu organisierte Feuerwehr der Gemeinde St. Georgen bestätigt. Damit war die Uffhauser Partei beziehungsweise der Gesangsverein „Eintracht“ unterlegen. Der Streit ging dennoch weiter und erreichte schließlich seinen Höhepunkt, nachdem auch noch der Oberstiftungsrat von Karlsruhe sich in der Bauplatzfrage auf die Seite der St. Georgener Minderheitspartei geschlagen hatte und den Abbruch der altehrwürdigen Hardkirche verfügte. Bei der üblichen Ortsprozession an Christi Himmelfahrt 1866 kam es dann zum Eklat: Angehörige des Feuerwehr-Corps St. Georgen machten den vom Pfarramt mit dem Tragen der St. Georgs-Statue beauftragten Mitgliedern des Gesangsvereins „Eintracht“ das Tragen der Statue streitig und nahmen ihnen, ermutigt durch die einseitige Parteinahme des damaligen Gemeindeoberhauptes, diese schließlich sogar mit Gewalt weg. Daraufhin verließ ein großer Teil der Uffhauser die Prozession fluchtartig. Der Ortsgeistliche verhielt sich klugerweise neutral. Die Folge war eine heftige Pressefehde. 

Auch wurde die Angelegenheit vor das Erzbischöfliche Ordinariat in Freiburg gezogen, das zugunsten des Gesangsvereins entschied. Bezeichnend für die damalige Stimmung in der Gemeinde ist auch ein Beschluss des Gesangsvereins Uffhausen vom 26. März 1866, durch den die Teilnahme an der Grundsteinlegung der neuen Kirche in St. Georgen einstimmig abgelehnt wurde; dagegen wurde beschlossen, dass sich der Verein offiziell an der neuen katholischen Pfarrkirche in Haslach beteiligen soll. Im Januar 1869 tauchte der Plan der Gründung einer Feuerlöschgemeinschaft Uffhausen, wenn auch in etwas abgeänderter Form, von neuem auf. Die Generalversammlung des Gesangsvereins „Eintracht“ vom 23. Januar 1869 beschloss nämlich, eine zweite Abteilung zur Bedienung der Löschgerätschaften in Uffhausen zu organisieren und sich dem Feuerwehr-Corps St. Georgen unter der Bedingung anzuschließen, dass sich der Verwaltungsrat der Feuerwehr St. Georgen auflöse, damit Neuwahlen vorgenommen werden können. 

Der Verwaltungsrat der Gemeindefeuerwehr antwortete darauf durch ein in verbindlichem und entgegenkommenden Ton gehaltenes Schreiben, lehnte jedoch unter Hinweis auf seine Statuten die Auflösung des Verwaltungsrates und die geforderten Neuwahlen vor Ablauf der Kapitulation ab. Am 5. April 1869 fand dann in dieser Angelegenheit vor dem Großherzoglichen Bezirksamt Freiburg zwischen dem Gemeinderat St. Georgen und dem Feuerwehr-Corps einerseits und dem Vorstand des Gesangsvereins Uffhausen andererseits eine Verhandlung statt, welche zu einer Einigung und zu dem Zusammenschluss beider Corps führte.

Das Bezirksamts schrieb damals: „Zwei getrennte Feuerwehren würden fortwährend Anlass zu Reibungen geben, sie wären für die Gemeinden die Quelle dauernder Verlegenheiten und die Spaltung zwischen den einzelnen Orten würde, anstatt ausgeglichen, nur noch verstärkt…“. Weiter hieß es „Der Vorschlag der Gemeinderäte Keller, Michel Koch und Theodor Wursthorn in der Vorstellung vom 26. vorigen Monats, dahingehend, den beiden vollständig getrennten Corps einen Oberkommandanten zu geben, welcher keinem der beiden Corps angehört, hat man als ungenügend erklärt, da dieser Oberkommandant lediglich bei Übungen beider Corps und bei Brandfällen die Oberleitung zu führen hätte, aber keinem Corps zugehört, er somit auf die inneren Angelegenheiten keinen Einfluss hat, so ist eine solche Stelle eine ganz unhaltbare…“.

Das Großherzogliche Bezirksamt versuchte, mit einigen Gegenvorschlägen einzulenken:
„1. Die Feuerwehr Uffhausen organisiert sich jetzt vorläufig für sich allein nach der nämlichen organischen Einrichtung, auf welcher die Feuerwehr zu Georgen beruht.
2. Nach Ablauf von drei Jahren, das heißt mit dem Eintritt der neuen Kapitulation, vereinigen sich die beiden Corps miteinander.
3. Sofern nicht bei diesem Zeitpunkt etwas andres beschlossen wird, hat jedes bisherige Corps seine Angelegenheiten noch selbst zu erledigen und die neugebildete Feuerwehr erscheint dann als ein neues Corps mit neuer, getrennter Vermögensverwaltung.
4. Um die Interessen der einzelnen Orte tunlichst zu berücksichtigen, ist die Hälfte der Offiziere aus der Mannschaft der Orte St. Georgen und Wendlingen, die andere Hälfte aus Uffhausen, jedoch von sämtlichen Mitgliedern der vereinigten Feuerwehr zu wählen. Das Gleiche hat bei den übrigen Mitgliedern des Verwaltungsbeirates zu geschehen.

5. Der Hauptmann (Kommandant) wird abwechselnd von zwei zu zwei Jahren aus Uffhausen, dann aus St. Georgen-Wendlingen gewählt und wird durch das Los bestimmt, mit welchem Ort für die ersten zwei Jahren der Anfang zu machen ist. Der Stellvertreter der Hauptmanns ist jeweils aus dem anderen Ort zu wählen“.

Weder der Gesangsverein noch das Feuerwehr-Corps St. Georgen konnten sich der Billigkeit und Gerechtigkeit dieser Vorschläge verschließen und nahmen diese schließlich einstimmig an, worauf dann die Bestätigung des dem Gesangsverein „Eintracht“ angegliederten Feuerwehrvereins Uffhausen durch schreiben des Bezirksamtes vom 2. Juni 1869 erfolgte. Damit war ein bedeutender Schritt zur Beilegung der Zwistigkeiten in der Gemeinde getan und der Zusammenschluss beider Wehren konnte schließlich im Frühjahr 1872 erfolgen. Dabei wurden die von den beiden Wehren aus eigenen Mitteln beschafften Gerätschaften von der Gemeinde erworben und dem neu gegründeten vereinigten Corps zur Verfügung gestellt.

 

Die Requisiten der beiden Wehren wurden von der Gemeinde käuflich erworben (Linksche Wagenspritze aus dem Jahr 1850). Als zweite Spritze wurde im Jahr 1900 eine Grethersche Saugwagenspritze angeschafft. Die Vereinigung beider Wehren zeigt sich nun als großer Fortschritt für die Brandbekämpfung der folgenden Jahrzehnte. Die Anfangsstärke der
Mannschaften von 132 Mann (1872) bis auf 158 (1936) zeugt von einer großen Schlagkraft der Feuerwehr St. Georgen. Nur die Kriegsjahre 1914-18 senkten die Stärke auf 100 Mann, aber gleich danach erholte sich der Korps. Bis zum Jahr 1937 galt es für die Wehr, alle großen und auch kleinen Brände in der Gemeinde zu bekämpfen, auch bei auswertigen Bränden und Wasserkatastrophen wurde sie mehrmals gerufen. Durch die Machtübernahme im dritten Reich 1933 wurde auch im Feuerwehrwesen eine sogenannte Gleichschaltung getroffen, die Feuerwehren wurden der Polizei unterstellt und erhielten den Namen Feuerschutzpolizei. Der jeweilige Bürgermeister wurde deren Vorsitzender, der Kommandant wurde Feuerwehrführer. Der bisherige Kommandant Karl Thoma (1919-1937) reicht sein Rücktrittsgesuch ein, sein Stellvertreter Adolf Mayer wird bis auf weiteres mit der Führung beauftragt. In der Generalversammlung am 15. Januar 1938 wurde Hermann Keller zum neuen Wehrführer gewählt.

 Anton Faller, Richard Vögele, Joseph Rich, Adolf Mayer, Hans Imberi, Franz Steigert, August Eckert, Joseph Dengler, August Maier
Fritz Keller, Karl Kiefer, Bürgermeister Adolf Keller, Kommandant Karl Thoma, Karl Ott, Aman Kost (um 1930)


Nach der Eingemeindung (1. April 1938) wurde die Freiwillige Feuerwehr St. Georgen der Freiwilligen Feuerwehr Freiburg im Breisgau als Löschzug 12 (Uffhausen) und Löschzug 13 (St. Georgen-Wendlingen) zugeteilt.

Es kam der zweite Weltkrieg 1939-1945.

Nach dem Krieg hat die französische Militärregierung sämtliche Formationen verboten, doch musste sie erkennen, dass es ohne Feuerwehr nicht ging. Einige verantwortungsbewusste St. Georgener stellten wieder eine „Feuerwehr“ auf die Beine und St. Georgen wurde Löschzug 6 der Freiwilligen Feuerwehr Freiburg im Breisgau. Zur gleichen Zeit bekam auch Freiburg eine Berufsfeuerwehr. Danach konnte die Sollstärke stark reduziert werden, sie beträgt in St. Georgen wie auch heute noch ca. 30 Mann. Beide Wehren, Berufs- und Freiwillige, sind sowohl mit Geräten als auch bei Übungen und im Alarmfall gegenseitig gekoppelt, sodass jetzt eine höchstmögliche Sicherheit im Ernstfall gewährleistet ist.

 


o.R.: Gassenschmidt Herrmann, Eckert Franz, Ehret Franz, Hug Karl, Faber Lepold, Stadelbacher Karl, Beck Alfred,
Kiefer Karl, Böhler Rudolf
m.R.: Liebher Karl, Koch Leopold, Kiefer Friedrich, Keller Fritz, Eckert Joseph, Koch Herrmann, Mayer Karl, Koch Josef,
Koch August,
u.R.: Koch Alfred, Lienhard Karl, Koch Franz, Dengler Josepf, Vögele August, Maier Leopold, Hercher Fritz, Kiefer Josef
(1965)


In einer mehr als hundertjährigen Geschichte hat die Freiwillige Feuerwehr St. Georgen somit bewiesen, dass sie die Gemeinde vor vielen Nöten und Gefahren beschützt hat und ihren Wahlspruch „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ stets nachgekommen ist.

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